Der Schritt vom Kunsthandwerk zur bildenden Kunst ist bei Keramik sehr fließend. Ein Keramikbecher kann sowohl ein nett aussehendes Gefäß sein als auch ein Kunstobjekt, das nicht zur Benutzung gedacht ist. Noch schwieriger wird es, wenn Design ins Spiel kommt. Hier wird Kunst mit Funktion verbunden.

In Museen findet man meistens Keramikarbeiten, die keine Funktion mehr haben. Ein Beispiel sind die Houses (Häuser) der österreichischen Keramikkünstlerin Maria Baumgartner. Sie formte zwei Vasen, die aber bei genauerem Hinsehen Häuserreihen sind, die sich neigen und gegenseitig stützen. Auch der 1971 von Lucie Rie geschaffene Krug Thorn Jar wird nicht als solcher benutzt, sondern spielt mit der Form eines Kruges, dessen Funktion aber durch eingearbeitete Löcher aufgehoben wird.

Lotte Reimers: Bekannte deutsche Künstlerin

Andere Künstler benutzen Keramik für Skulpturen und andere Objekte. Das Material erlaubt es, dem Zufall eine gewisse Rolle bei Mustern und Maserungen zu geben. Ein gutes Beispiel dafür sind die Werke von Lotte Reimers, eine der bedeutendsten deutschen Keramikkünstlerinnen. Ihre Objekte weisen immer wieder wechselnde und ineinanderfließende Farben und Muster auf, die durch die Wahl der Ausgangsstoffe entstehen. Dem Material und Herstellungsprozess ist geschuldet, dass eine Keramik meistens ein Gefäß als Basis hat. So sind Reimers‘ Arbeiten zu einem großen Teil Vasen und Krüge.

Rie führte Keramikkunst in die Moderne

Eine frühe Künstlerin in der Welt der Keramik war Lucie Rie, die in Österreich geboren wurde, aber die meiste Zeit ihres Lebens aber in England verbrachte. Sie gewann bereits 1937 eine Auszeichnung bei einer Ausstellung in Paris und war später tonangebend in der modernen Keramikkunst. Ihre Werke bestechen durch eine besondere Klarheit in Form und Farbe. Ihre Vasen und Schalen haben eine klare Geometrie und zeugen von einem Farbkonzept im Herstellungsprozess. Der 1950 geschaffene schwarze Coffee Pot ist ein gutes Beispiel, wie Design und Kunst in der Keramik zusammenwachsen können: Er erinnert an Objekte des Designers Phillip Stark.